Interview Pauline Tillmann
Gründerin des digitalen Magazins „Deine Korrespondentin“
Was ist „Deine Korrespondentin“ und was macht das Magazin so einzigartig?
„Deine Korrespondentin“ ist ein digitales Magazin, das ich 2015 nach einem erfolgreichen Crowdfunding gegründet habe. Wir berichten ausschließlich über inspirierende Frauen aus der ganzen Welt und auch aus Deutschland. Der Grund: Es wird in deutschen Medien viermal mehr über Männer als über Frauen berichtet. Wir finden das nicht zeitgemäß und wollen dem aktiv etwas entgegensetzen. Denn es ist keineswegs so, dass es diese Frauen nicht gibt. Stattdessen gibt es einfach viel zu wenige Medien, die Frauen – so wie wir – in den Mittelpunkt rücken und sie damit sichtbar machen.
Dabei haben wir zwei Hauptstränge: spannende Protagonistinnen, die in ihrem Land, in ihrer Region, in ihrem Umfeld etwas Besonderes machen und es deshalb wert sind, porträtiert zu werden. Zum Beispiel: Eine Apnoe-Taucherin aus Kolumbien, die mit ihrem außergewöhnlichen Sport auf die Schönheit der Ozeane aufmerksam machen und dadurch ein Umdenken beim Konsumverhalten bewirken will.
Und der andere Strang sind Frauen, die stellvertretend stehen für eine größere soziale Bewegung wie zum Beispiel die Protestbewegung im Libanon oder die „grüne“ Frauenbewegung in Argentinien, die sich für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen eingesetzt hat. Da könnte man vermutlich auch geeignete Männer finden, um genau diese Umbrüche zu beschreiben, aber wir wollen den Fokus ganz bewusst auf die progressiven, mutigen Frauen in den jeweiligen Ländern richten.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Deine Korrespondentin zu starten?
Ich war im Herbst 2014 mit einem Stipendium drei Monate in den USA, um zur Zukunft des Journalismus zu recherchieren und darüber für den Bayerischen Rundfunk zu berichten. Dabei habe ich längere Zeit in New York City und im Silicon Valley verbracht und habe so viele journalistische Gründer*innen getroffen, dass ich gar nicht anders konnte als zurückzukehren und mein eigenes Medien-Startup zu gründen. Ich war so fasziniert von der Möglichkeit, mein eigenes Ding zu machen – unabhängig von etablierten Medienhäusern – dass ich mir Mitstreiterinnen gesucht habe und einfach mal losgelegt habe.
In den USA fielen immer wieder Sätze wie „Der Journalismus wird gerade komplett neu gedacht“ oder „Die goldene Zeit des Journalismus hat gerade erst angefangen“. Das hat mich fasziniert und so bin ich vor sechs Jahren angetreten, diesen Medienwandel mit „Deine Korrespondentin“ aktiv mitzugestalten. Aufgrund dessen habe ich mein Projekt auch immer als Experimentierlabor gesehen und wir haben mit den Korrespondentinnen viele neue Formate ausprobiert – auf Snapchat, ein ganztätiges Event in Berlin („Inspiration Day“), Live-Talks auf Instagram und zuletzt WhatsApp-Chats mit bis zu 30 Interessierten.
Außerdem probierten wir natürlich von Anfang an mit alternativen Finanzierungsmodellen herum, weil Werbung für uns nicht in Frage kam – wir sind zu sehr Nische und damit uninteressant für Werbetreibende – und Stiftungen uns bis heute kategorisch ablehnen, weil wir nicht gemeinnützig sind. Also waren wir gezwungen, andere Erlösquellen zu finden.
Warum braucht Deine Korrespondentin UnterstützerInnen und wie kann man Euch fördern?
Unser Geschäftsmodell sieht aktuell so aus, dass wir Einnahmen über unsere Mitgliederkampagne bei Steady beziehen, bei der man uns monatlich mit fünf oder zehn Euro unterstützen kann. Das ist besonders wichtig für uns, weil das eine einigermaßen verlässliche Einnahmequelle ist, die uns hilft, mittel- und langfristig zu planen und unsere strategischen Projekte konsequent voranzutreiben. Eine weitere Möglichkeit, uns zu fördern ist, uns direkt Geld auf unser Konto zu überweisen. Und unser drittes Standbein sind Kooperationen mit Zeitungen in Deutschland.
Da aber durch die Corona-Pandemie massiv Anzeigen weggebrochen sind, übernehmen deutlich weniger Medien unsere Artikel – und das wiederum hat bei uns zu massiven Umsatzeinbußen im Herbst 2020 geführt. Daraufhin habe ich einen offenen Brief veröffentlicht und wir haben im Dezember zum Glück eine große Welle der Solidarität erfahren. Das heißt, für 2021 ist unser Überleben gesichert, aber als kleines Nischenmedium bleibt es – auch sechs Jahre nach der Gründung – ein stetiger Kampf ums Überleben.
Denn: Unsere Inhalte sind ja für alle frei zugänglich – und das ist ganz bewusst so gewählt. Wir wollen ja die Frauen, die wir porträtieren, sichtbar machen. Und wenn wir alles hinter einer Bezahlschranke verstecken würden, wäre genau das nicht mehr gegeben. Andererseits ist es heutzutage extrem schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden bei einem Überangebot an Informationsquellen und Menschen davon zu überzeugen, Geld für digitale Inhalte zu bezahlen. Denn nach wie vor sind viele gute Inhalte im Netz frei zugänglich, so dass wir oft das Argument hören, dass man das ja alles gar nicht konsumieren kann.
Bei uns geht es aber um mehr: Wir wollen mit unserer Berichterstattung etwas verändern. Wir wollen aufzeigen, dass es da draußen viele tolle Frauen gibt und natürlich auch andere Medien dazu bringen, Frauen mehr zu Wort kommen zu lassen. Schließlich machen sie die Hälfte der Bevölkerung aus! Gleichzeitig wollen wir das Bewusstsein schärfen, dass guter Journalismus Geld kostet und jede*n ermuntern, seinen oder ihren Beitrag dazu zu leisten, dass unser mediale Ökosystem durch Angebote wie „Deine Korrespondentin“ vielfältiger, bunter und innovativer wird.
Wie wird man Auslandskorrespondentin und wie muss man sich das Leben und die Arbeit (auch gerade jetzt unter Corona-Bedingungen) vorstellen?
Zunächst einmal muss man das wollen. Nicht jede Journalistin ist die geborene Auslandskorrespondentin. Ich empfehle immer, es einfach mal ein paar Monate auszuprobieren (dafür gibt es im Übrigen ja auch entsprechende Stipendien wie z. B. bei den Internationalen Journalisten-Programmen). Und wenn einem das liegt, kann man sich überlegen, ob man fest oder frei ins Ausland gehen möchte. Für die Festanstellung muss man natürlich zunächst innerhalb eines Medienhauses entsprechende Meriten verdienen, um dann als Korrespondentin ins Ausland geschickt zu werden.
Aber da das immer weniger Medien machen, würde ich immer empfehlen, es selber in die Hand zu nehmen und sich damit unabhängig zu machen – so wie ich seinerzeit 2011. Ich habe ein Auslandssemester in St. Petersburg verbracht, mich unsterblich in die Stadt verliebt und habe immer davon geträumt, dort einige Jahre als Korrespondentin zu leben und zu arbeiten. Und nachdem mir mein Sender – damals der Bayerische Rundfunk – klar gemacht hat, dass ich mit 28 Jahren viel zu jung bin, um als Auslandskorrespondentin irgendwohin geschickt zu werden, habe ich es eben auf eigene Faust gemacht. Ohne Sicherheit, ohne Pauschale, mit vollem Risiko.
Generell bin ich der Meinung, dass für Frauen die ideale Zeitspanne, um ins Ausland zu gehen, zwischen 27 und 35 Jahren liegt. Der Grund: Man hat meist noch keine Kinder, kann extrem viel reisen, braucht nicht so viel, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und ist hungrig nach neuen Erfahrungen, fremden Kulturen und einer neuen Sprache. Ich würde jungen Journalistinnen immer raten dorthin zu gehen, wo es noch niemanden gibt, weil man sich da schneller einen Namen bei Redaktionen machen kann. Wenn man die 10. Korrespondentin in Paris ist, wird es happig, glaube ich. Dabei gibt es so viele Geschichten zu erzählen jenseits der Metropolen.
Wie hat Dir die Idee „Buchtipps von Auslandskorrespondentinnen“ gefallen und wie haben Deine Kolleginnen darauf reagiert?
Ich fand die Idee von Anfang an großartig und bin sehr froh, dass du auf mich zugekommen bist und wir diese Idee jetzt in die Realität umsetzen. Ich bin ja inzwischen eine Unternehmerin – und nicht mehr „nur“ Journalistin – deshalb bin ich ein großer Fan vom Machen. Ich war und bin schon immer eine Macherin. Ich packe gerne Dinge an. Deshalb: Ich glaube, dass diese Buchtipps für deine Leser*innen wertvoll sind, weil sie dadurch Bücher entdecken, die sie vorher vermutlich nicht auf dem Zettel hatten.
Und für uns ist es natürlich ein Gewinn, wenn wir bei Lesekreisen in der ganzen Republik noch bekannter werden und Frauen und Männer auf uns und unsere Arbeit aufmerksam machen – und sie sich hoffentlich auch dafür entscheiden, uns finanziell etwas unter die Arme zu greifen. Denn: Jede große und kleine Spende hilft uns, dass wir unsere Mission weiterverfolgen können und auch das Netzwerk von freien Auslandskorrespondentinnen immer größer und stabiler wird.
Gibt es noch etwas, das du erwähnen möchtest?
Wie gesagt, wir publizieren immer mittwochs einen großen Artikel – ein Porträt, eine Reportage oder ein Interview – über eine tolle Frau. Darüber hinaus gibt es noch einen Newsletter, den man auf unserer Webseite kostenfrei abonnieren kann und der jede Woche über unsere Geschichten und aktuelle Entwicklungen informiert. Denn wir sind ja ständig im Wandel – das ist uns ganz wichtig. Wir entwickeln unser Medien-Startup mithilfe der Community kontinuierlich weiter.
Und damit man die Korrespondentinnen noch etwas besser kennenlernt, haben wir vor einem Jahr auch einen Podcast gestartet, den man bei Apple iTunes und Spotify unter „Deine Korrespondentin – der Podcast“ findet. Im April haben wir unser erstes e-Magazine herausgebraucht mit 15 Best-of-Geschichten aus 2020, im Mai ist eine Ausstellung mit der Stadt Hilden geplant. Außerdem wollen wir dieses Jahr noch unbedingt unser erstes Buch herausbringen und sind aktuell auf der Suche nach einem passenden Buchverlag. Du siehst, wir haben alle Hände voll zu tun!
Pauline, vielen Dank für das Gespräch.
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Pauline Tillmann (37) ist Gründerin und Chefredakteurin des digitalen Magazins „Deine Korrespondentin“, bei dem zehn Korrespondentinnen über inspirierende Frauen weltweit berichten. Von 2011 bis 2015 hat sie als freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg gearbeitet und die ARD mit Reportagen und Radio-Features über Russland, Ukraine und postsowjetische Länder beliefert. Zuvor hat sie Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Augsburg studiert und beim Bayerischen Rundfunk in München volontiert. Pauline ist regelmäßig als Dozentin, Moderatorin, Speakerin, Coach und Consultant mit Schwerpunkt auf Medien-Startups im Einsatz und ist Mutter von zwei Kindern.
Gründerin des digitalen Magazins „Deine Korrespondentin“
Was ist „Deine Korrespondentin“ und was macht das Magazin so einzigartig?
„Deine Korrespondentin“ ist ein digitales Magazin, das ich 2015 nach einem erfolgreichen Crowdfunding gegründet habe. Wir berichten ausschließlich über inspirierende Frauen aus der ganzen Welt und auch aus Deutschland. Der Grund: Es wird in deutschen Medien viermal mehr über Männer als über Frauen berichtet. Wir finden das nicht zeitgemäß und wollen dem aktiv etwas entgegensetzen. Denn es ist keineswegs so, dass es diese Frauen nicht gibt. Stattdessen gibt es einfach viel zu wenige Medien, die Frauen – so wie wir – in den Mittelpunkt rücken und sie damit sichtbar machen.
Dabei haben wir zwei Hauptstränge: spannende Protagonistinnen, die in ihrem Land, in ihrer Region, in ihrem Umfeld etwas Besonderes machen und es deshalb wert sind, porträtiert zu werden. Zum Beispiel: Eine Apnoe-Taucherin aus Kolumbien, die mit ihrem außergewöhnlichen Sport auf die Schönheit der Ozeane aufmerksam machen und dadurch ein Umdenken beim Konsumverhalten bewirken will.
Und der andere Strang sind Frauen, die stellvertretend stehen für eine größere soziale Bewegung wie zum Beispiel die Protestbewegung im Libanon oder die „grüne“ Frauenbewegung in Argentinien, die sich für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen eingesetzt hat. Da könnte man vermutlich auch geeignete Männer finden, um genau diese Umbrüche zu beschreiben, aber wir wollen den Fokus ganz bewusst auf die progressiven, mutigen Frauen in den jeweiligen Ländern richten.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Deine Korrespondentin zu starten?
Ich war im Herbst 2014 mit einem Stipendium drei Monate in den USA, um zur Zukunft des Journalismus zu recherchieren und darüber für den Bayerischen Rundfunk zu berichten. Dabei habe ich längere Zeit in New York City und im Silicon Valley verbracht und habe so viele journalistische Gründer*innen getroffen, dass ich gar nicht anders konnte als zurückzukehren und mein eigenes Medien-Startup zu gründen. Ich war so fasziniert von der Möglichkeit, mein eigenes Ding zu machen – unabhängig von etablierten Medienhäusern – dass ich mir Mitstreiterinnen gesucht habe und einfach mal losgelegt habe.
In den USA fielen immer wieder Sätze wie „Der Journalismus wird gerade komplett neu gedacht“ oder „Die goldene Zeit des Journalismus hat gerade erst angefangen“. Das hat mich fasziniert und so bin ich vor sechs Jahren angetreten, diesen Medienwandel mit „Deine Korrespondentin“ aktiv mitzugestalten. Aufgrund dessen habe ich mein Projekt auch immer als Experimentierlabor gesehen und wir haben mit den Korrespondentinnen viele neue Formate ausprobiert – auf Snapchat, ein ganztätiges Event in Berlin („Inspiration Day“), Live-Talks auf Instagram und zuletzt WhatsApp-Chats mit bis zu 30 Interessierten.
Außerdem probierten wir natürlich von Anfang an mit alternativen Finanzierungsmodellen herum, weil Werbung für uns nicht in Frage kam – wir sind zu sehr Nische und damit uninteressant für Werbetreibende – und Stiftungen uns bis heute kategorisch ablehnen, weil wir nicht gemeinnützig sind. Also waren wir gezwungen, andere Erlösquellen zu finden.
Warum braucht Deine Korrespondentin UnterstützerInnen und wie kann man Euch fördern?
Unser Geschäftsmodell sieht aktuell so aus, dass wir Einnahmen über unsere Mitgliederkampagne bei Steady beziehen, bei der man uns monatlich mit fünf oder zehn Euro unterstützen kann. Das ist besonders wichtig für uns, weil das eine einigermaßen verlässliche Einnahmequelle ist, die uns hilft, mittel- und langfristig zu planen und unsere strategischen Projekte konsequent voranzutreiben. Eine weitere Möglichkeit, uns zu fördern ist, uns direkt Geld auf unser Konto zu überweisen. Und unser drittes Standbein sind Kooperationen mit Zeitungen in Deutschland.
Da aber durch die Corona-Pandemie massiv Anzeigen weggebrochen sind, übernehmen deutlich weniger Medien unsere Artikel – und das wiederum hat bei uns zu massiven Umsatzeinbußen im Herbst 2020 geführt. Daraufhin habe ich einen offenen Brief veröffentlicht und wir haben im Dezember zum Glück eine große Welle der Solidarität erfahren. Das heißt, für 2021 ist unser Überleben gesichert, aber als kleines Nischenmedium bleibt es – auch sechs Jahre nach der Gründung – ein stetiger Kampf ums Überleben.
Denn: Unsere Inhalte sind ja für alle frei zugänglich – und das ist ganz bewusst so gewählt. Wir wollen ja die Frauen, die wir porträtieren, sichtbar machen. Und wenn wir alles hinter einer Bezahlschranke verstecken würden, wäre genau das nicht mehr gegeben. Andererseits ist es heutzutage extrem schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden bei einem Überangebot an Informationsquellen und Menschen davon zu überzeugen, Geld für digitale Inhalte zu bezahlen. Denn nach wie vor sind viele gute Inhalte im Netz frei zugänglich, so dass wir oft das Argument hören, dass man das ja alles gar nicht konsumieren kann.
Bei uns geht es aber um mehr: Wir wollen mit unserer Berichterstattung etwas verändern. Wir wollen aufzeigen, dass es da draußen viele tolle Frauen gibt und natürlich auch andere Medien dazu bringen, Frauen mehr zu Wort kommen zu lassen. Schließlich machen sie die Hälfte der Bevölkerung aus! Gleichzeitig wollen wir das Bewusstsein schärfen, dass guter Journalismus Geld kostet und jede*n ermuntern, seinen oder ihren Beitrag dazu zu leisten, dass unser mediale Ökosystem durch Angebote wie „Deine Korrespondentin“ vielfältiger, bunter und innovativer wird.
Wie wird man Auslandskorrespondentin und wie muss man sich das Leben und die Arbeit (auch gerade jetzt unter Corona-Bedingungen) vorstellen?
Zunächst einmal muss man das wollen. Nicht jede Journalistin ist die geborene Auslandskorrespondentin. Ich empfehle immer, es einfach mal ein paar Monate auszuprobieren (dafür gibt es im Übrigen ja auch entsprechende Stipendien wie z. B. bei den Internationalen Journalisten-Programmen). Und wenn einem das liegt, kann man sich überlegen, ob man fest oder frei ins Ausland gehen möchte. Für die Festanstellung muss man natürlich zunächst innerhalb eines Medienhauses entsprechende Meriten verdienen, um dann als Korrespondentin ins Ausland geschickt zu werden.
Aber da das immer weniger Medien machen, würde ich immer empfehlen, es selber in die Hand zu nehmen und sich damit unabhängig zu machen – so wie ich seinerzeit 2011. Ich habe ein Auslandssemester in St. Petersburg verbracht, mich unsterblich in die Stadt verliebt und habe immer davon geträumt, dort einige Jahre als Korrespondentin zu leben und zu arbeiten. Und nachdem mir mein Sender – damals der Bayerische Rundfunk – klar gemacht hat, dass ich mit 28 Jahren viel zu jung bin, um als Auslandskorrespondentin irgendwohin geschickt zu werden, habe ich es eben auf eigene Faust gemacht. Ohne Sicherheit, ohne Pauschale, mit vollem Risiko.
Generell bin ich der Meinung, dass für Frauen die ideale Zeitspanne, um ins Ausland zu gehen, zwischen 27 und 35 Jahren liegt. Der Grund: Man hat meist noch keine Kinder, kann extrem viel reisen, braucht nicht so viel, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und ist hungrig nach neuen Erfahrungen, fremden Kulturen und einer neuen Sprache. Ich würde jungen Journalistinnen immer raten dorthin zu gehen, wo es noch niemanden gibt, weil man sich da schneller einen Namen bei Redaktionen machen kann. Wenn man die 10. Korrespondentin in Paris ist, wird es happig, glaube ich. Dabei gibt es so viele Geschichten zu erzählen jenseits der Metropolen.
Wie hat Dir die Idee „Buchtipps von Auslandskorrespondentinnen“ gefallen und wie haben Deine Kolleginnen darauf reagiert?
Ich fand die Idee von Anfang an großartig und bin sehr froh, dass du auf mich zugekommen bist und wir diese Idee jetzt in die Realität umsetzen. Ich bin ja inzwischen eine Unternehmerin – und nicht mehr „nur“ Journalistin – deshalb bin ich ein großer Fan vom Machen. Ich war und bin schon immer eine Macherin. Ich packe gerne Dinge an. Deshalb: Ich glaube, dass diese Buchtipps für deine Leser*innen wertvoll sind, weil sie dadurch Bücher entdecken, die sie vorher vermutlich nicht auf dem Zettel hatten.
Und für uns ist es natürlich ein Gewinn, wenn wir bei Lesekreisen in der ganzen Republik noch bekannter werden und Frauen und Männer auf uns und unsere Arbeit aufmerksam machen – und sie sich hoffentlich auch dafür entscheiden, uns finanziell etwas unter die Arme zu greifen. Denn: Jede große und kleine Spende hilft uns, dass wir unsere Mission weiterverfolgen können und auch das Netzwerk von freien Auslandskorrespondentinnen immer größer und stabiler wird.
Gibt es noch etwas, das du erwähnen möchtest?
Wie gesagt, wir publizieren immer mittwochs einen großen Artikel – ein Porträt, eine Reportage oder ein Interview – über eine tolle Frau. Darüber hinaus gibt es noch einen Newsletter, den man auf unserer Webseite kostenfrei abonnieren kann und der jede Woche über unsere Geschichten und aktuelle Entwicklungen informiert. Denn wir sind ja ständig im Wandel – das ist uns ganz wichtig. Wir entwickeln unser Medien-Startup mithilfe der Community kontinuierlich weiter.
Und damit man die Korrespondentinnen noch etwas besser kennenlernt, haben wir vor einem Jahr auch einen Podcast gestartet, den man bei Apple iTunes und Spotify unter „Deine Korrespondentin – der Podcast“ findet. Im April haben wir unser erstes e-Magazine herausgebraucht mit 15 Best-of-Geschichten aus 2020, im Mai ist eine Ausstellung mit der Stadt Hilden geplant. Außerdem wollen wir dieses Jahr noch unbedingt unser erstes Buch herausbringen und sind aktuell auf der Suche nach einem passenden Buchverlag. Du siehst, wir haben alle Hände voll zu tun!
Pauline, vielen Dank für das Gespräch.
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Pauline Tillmann (37) ist Gründerin und Chefredakteurin des digitalen Magazins „Deine Korrespondentin“, bei dem zehn Korrespondentinnen über inspirierende Frauen weltweit berichten. Von 2011 bis 2015 hat sie als freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg gearbeitet und die ARD mit Reportagen und Radio-Features über Russland, Ukraine und postsowjetische Länder beliefert. Zuvor hat sie Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Augsburg studiert und beim Bayerischen Rundfunk in München volontiert. Pauline ist regelmäßig als Dozentin, Moderatorin, Speakerin, Coach und Consultant mit Schwerpunkt auf Medien-Startups im Einsatz und ist Mutter von zwei Kindern.